Change Management

Digitalisierung fordert auch den Menschen

| Autor: Katharina Juschkat

Bei der Digitalisierung geht es häufig um neue Technologien – aber auch Strukturen und Mitarbeiter müssen sich anpassen. Eine aktuelle Studie hat untersucht, wie deutsche Unternehmen hier stehen.

Die Digitalisierung braucht nicht nur neue Technologien, auch die Mitarbeiter und Unternehmen müssen sich ändern.
Die Digitalisierung braucht nicht nur neue Technologien, auch die Mitarbeiter und Unternehmen müssen sich ändern.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Die Digitalisierung fordert nicht nur einen Wandel in der Fertigung – auch die Unternehmensführung und die Menschen müssen sich ändern. Um diesen Wandel zu meistern, setzen immer mehr Unternehmen auf sogenannte Change-Management-Methoden

Was ist Change Management?

Das Change Management oder Veränderungsmanagement beschreibt alle Projekte, Maßnahmen und Aktionen, die die Organisation in einem Unternehmen weitreichend und tiefgreifend verändern. Dazu zählt:

- Neue und veränderte Strategien einführen
- Gewachsene Strukturen verändern
- Technische und/oder organisatorische Systeme ändern

Oft wird Change Management zu spät umgesetzt – viele Unternehmen setzen erst in der Krise, wenn nichts mehr geht, auf Veränderung. Auch scheitern Change-Management-Projekte häufig, da sich in der Realität nicht immer an die Rahmenbedingungen und Regeln gehalten wird und dadurch der Widerstand der Mitarbeiter groß ist.

Eine repräsentative Umfrage von Bitkom Research im Auftrag von IT-Service-Anbieter Tata Consultancy Services untersuchte jetzt, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf Unternehmen und ihre Mitarbeiter hat. Dafür befragte man 953 Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitern in Deutschland.

Change Management bei fast 50 Prozent angekommen

„Kommen in Ihrem Unternehmen zur Bewältigung des digitalen Wandels Change-Management-Methoden zum Einsatz?“
„Kommen in Ihrem Unternehmen zur Bewältigung des digitalen Wandels Change-Management-Methoden zum Einsatz?“
(Bild: Tata Consultancy Services Deutschland GmbH)

Fast jedes zweite Unternehmen (47 %) setzt auf Change-Management-Methoden – das sind elf Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Auffällig ist, dass vor allem Großunternehmen ab 500 Mitarbeitern auf Veränderung setzen: Hier verwenden 57 Prozent Change-Management-Methoden, auch hier ein Anstieg von 8 Prozent in zwei Jahren.

Dabei wird der Veränderungsprozess am häufigsten von eigenen Digitalisierungseinheiten oder dem Chief Digital Officer (CDO) verantwortet (35 Prozent). In rund jedem vierten Unternehmen ist dafür die Geschäftsführung bzw. der Vorstand (26 Prozent) oder die interne Unternehmenskommunikation (23 Prozent) zuständig.

Um die Digitalisierung erfolgreich zu gestalten genügt es nicht, neue Geräte anzuschaffen oder Technologien einzusetzen.

Dr. Kay Müller-Jones, Leiter Consulting und Services Integration bei TCS

Wer verwaltet die Digitalisierung?

Agile Methoden werden öfter eingesetzt.
Agile Methoden werden öfter eingesetzt.
(Bild: Tata Consultancy Services Deutschland GmbH)

Verwaltet wird das Change Management häufig von einer eigenen Digitalisierungseinheit oder dem Chief Digital Officer (35 %). Vor allem in kleineren Unternehmen übernimmt diese Aufgabe aber auch häufig die Geschäftsführung oder der Vorstand (30 %). An dritter Stelle folgt das Interne Unternehmenskommunikation, die bei 23 Prozent aller befragten Unternehmen das Change Management verantworten.

Auch setzen immer mehr Unternehmen laut der Umfrage auf agile Arbeitsweisen wie Scrum, Dev Ops, Design Thinking oder Kanban: 43 Prozent setzen zumindest in einigen Projekten auf agile Methoden, ein Wachstum von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jedes vierte Unternehmen insgesamt verzichtet bisher auf agile Arbeitsweisen. Auch hier haben Großunternehmen die Nase vorn: 52 Prozent setzen hier schon auf agile Methoden.

Was sind agile Methoden?

Agile Methoden haben ihren Ursprung in der Softwareentwicklung. Hier werden sie eingesetzt, um flexibler und schneller Projekte zu bearbeiten, die selten linear verlaufen. Inzwischen werden agile Methoden von der Softwareentwicklung auf andere Bereiche übertragen. Einige Beispiele:
Scrum ist ein agiles Vorgehensmodell, das am Projekt Beteiligte in die drei Rollen Product Owner, Scrum Master und Team einteilt. Anforderungen werden priorisiert und in sogenannten Sprints, festgesetzten zeitlichen Einheiten, bearbeitet.
Design Thinking ist ein Kreativprozess, der der Ideenfindung und Problemlösung dient und die Nutzersicht in den Vordergrund stellt.

Mitarbeiter werden gezielt gefördert

Wie steht es um die Digitalkompetenz der Mitarbeiter?
Wie steht es um die Digitalkompetenz der Mitarbeiter?
(Bild: Tata Consultancy Services Deutschland GmbH)

Um die Digitalisierung zu gestalten, erwarten die Unternehmen immer öfter Digitalkompetenzen von ihren Mitarbeitern. So sagen 8 von 10 Unternehmen, die Mitarbeiter sollten über allgemeine Digitalkompetenz verfügen, um die digitale Transformation des Unternehmens voranzutreiben. Das ist ein deutlicher Anstieg zu 2017 (66 %). Entsprechend geben auch 8 von 10 Unternehmen an, dass die die Digitalkompetenz der Mitarbeiter gezielt fördern.

Bei der Akzeptanz sind die Meinungen allerdings geschieden: Jedes zweite Unternehmen gibt zwar an, dass die Mitarbeiter neue Technologien schnell annehmen, aber 44 Prozent beklagen auch, dass der Aufwand sehr groß ist, die Mitarbeiter vom Einsatz neuer Technologien zu überzeugen.

Und welche Technologien finden Einsatz?

Bei der Frage, welche konkreten Technologien in das Unternehmen Einzug finden, ist die Cloud mit Abstand an erster Stelle:

  • Cloud-Computing: 78 Prozent
  • Big Data &Analytics: 44 Prozent
  • Internet of Things: 23 Prozent
  • 3D-Druck: 19 Prozent
  • VR/AR: 15 Prozent
  • Robotik: 14 Prozent
  • Künstliche Intelligenz: 11 Prozent
  • Blockchain: 5 Prozent

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Über den Autor

 Katharina Juschkat

Katharina Juschkat

Redakteurin, Vogel Communications Group