Fachkräftemangel

Es fehlen 124.000 IT-Spezialisten in Deutschland

| Redakteur: Katharina Juschkat

IT-Spezialisten sind Mangelware, allein in Deutschland sind 124.000 Stellen unbesetzt. Unternehmen wollen sich häufig nicht auf die Gehaltsforderungen der Bewerber einlassen oder halten sie für unterqualifiziert.

Leerer Arbeitsplatz: In Deutschland sind alleine 124.000 IT-Stellen in allen Branchen unbesetzt. Großer Streitfaktor zwischen Bewerber und Arbeitgeber: Das Gehalt.
Leerer Arbeitsplatz: In Deutschland sind alleine 124.000 IT-Stellen in allen Branchen unbesetzt. Großer Streitfaktor zwischen Bewerber und Arbeitgeber: Das Gehalt.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt, dass die Zahl der unbesetzten IT-Stellen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent gestiegen ist – von 82.000 auf 124.000 offene Stellen. Vor zwei Jahren waren es noch 55.000 unbesetzte Stellen.

Für die Studie hat Bitkom mehr als 850 Geschäftsführer und Personalverantwortliche in Unternehmen ab drei Mitarbeitern aus allen Branchen befragt. 83 Prozent geben an, dass sie einen Mangel an IT-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt erleben, vor zwei Jahren waren es erst 67 Prozent. Zugleich erwarten zwei Drittel, dass sich die Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird.

Software-Entwickler sind begehrt

Besonders gesucht sind Software-Entwickler. Unternehmen mit mindestens einer offenen IT-Stelle suchten am häufigsten:

  • Software-Entwickler (32 Prozent)
  • IT-Anwendungsbetreuer (18 Prozent)
  • Data Scientists (13 Prozent)
  • IT-Projektmanager (12 Prozent)
  • IT-Berater (10 Prozent)
  • IT-Service-Manager (10 Prozent)

Gehaltsdifferenz zwischen Bewerber und Unternehmen enorm

Die größte Schwierigkeit für Unternehmen, die Stellen zu besetzen, ist das Thema Gehalt. 72 Prozent der Unternehmen sind nicht bereit, auf die Gehaltsforderungen der Bewerber einzugehen. Etwa die Hälfe aller befragten Unternehmen klagen darüber, dass die Gehaltsforderungen außerdem nicht den Qualifikationen der Bewerber entsprächen.

Auch machen viele Unternehmen die Erfahrung, dass Bewerber nicht die nötigen Qualifikationen mitbringen – vier von zehn Unternehmen sprechen von allgemein fehlender Fachkenntnis, 27 Prozent berichten von mangelhaften Testergebnissen im Auswahlverfahren und 9 Prozent beklagen, dass es den Bewerbern an Kenntnissen von neuen Technologien wie KI oder Blockchain mangelt.

Aber nicht nur mit den Fachkenntnissen sind Unternehmen oft unzufrieden: Jedes dritte Unternehmen beklagt zudem fehlende Soft-Skills wie Teamfähigkeit, und jedes fünfte Unternehmen trifft auf Bewerber, die nicht bereit sind, auf Dienstreisen zu gehen oder für den Beruf umzuziehen.

Personalsuche wird sich ändern müssen

Vielleicht liegt es auch an der falschen Personalsuche, dass so wenige passende Bewerber gefunden werden, vermutet Bitkom. Immerhin können sich Bewerber bei so gut wie allen Unternehmen schon per E-Mail bewerben, doch auf Online-Bewerbungstools setzen nur 26 Prozent, und eine Bewerbung aus einem Business-Netzwerk heraus bieten gerade einmal 6 Prozent an – via App nur ein Prozent.

Sieben von zehn Unternehmen gehen davon aus, dass die aktive Suche nach Bewerbern, etwa auf Business-Netzwerken, deutlich steigen wird. Aus den Augen vieler Befragter werden auch Kooperationen mit Hochschulen, Personalvermittlungen, Karrieremessen und Online-Stellenbörsen immer wichtiger.

Offene IT-Stellen bleiben ein halbes Jahr unbesetzt

IT-Jobs sind für die Unternehmen deutlich schwerer zu besetzen als andere Stellen. So geben vier von zehn Unternehmen an, dass die Besetzung von IT-Stellen länger dauert als die anderer Positionen. Auch die Zeit, wie lange eine offene IT-Stelle im Schnitt unbesetzt bleibt, ist von fünf auf sechs Monate gestiegen. In 18 Prozent der Unternehmen bleiben IT-Stellen in der Regel länger als ein halbes Jahr unbesetzt, vor einem Jahr war das nur in 10 Prozent der Unternehmen der Fall.

Als Reaktion auf den Fachkräftemangel fordert der Digitalverband, dass Informatik endlich flächendeckend als Schulfach eingeführt werden soll. Auch in den Betrieben selbst solle die IT-Weiterbildung gefördert werden.

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