Automatisierung Ungleiche Verteilung von Robotern mit großen Auswirkungen

| Autor: Katharina Juschkat

Setzt ein Unternehmen auf Roboter, hat das auch enorme Auswirkungen auf die Produktivität und Beschäftigten, so eine einzigartige Langzeitstudie. Gleichzeitig leiden Unternehmen, die keine Roboter einsetzen.

Setzen Unternehmen auf Roboter, sind sie ungleich produktiver als Unternehmen ohne Roboter.
Setzen Unternehmen auf Roboter, sind sie ungleich produktiver als Unternehmen ohne Roboter.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die durchschnittliche Roboterdichte jedes Landes stellt dar, wie automatisiert die Fertigungsindustrie des Landes ist. Dabei werden die Robotereinheiten pro 10.000 Mitarbeiter gezählt. Mit 309 Einheiten (Stand 2018, International Federation of Robotics) ist Deutschland in Europa das am stärksten automatisierte Land.

Die Durchschnittsverteilung beachtet jedoch nicht, wie die Roboter verteilt sind. Der hohe Automatisierungsgrad in einem Land findet nicht gleichmäßig in allen Unternehmen statt.

Langzeitstudie untersucht Auswirkungen auf Produktivität und Beschäftige

Welche Auswirkungen diese Ungleichverteilung auf Unternehmen hat, das hat sich erstmals eine Langzeitstudie am Beispiel von Spanien näher angeschaut: Über 27 Jahre untersuchte ein deutsch-dänisches Ökonomen-Team den Automatisierungsgrad von Unternehmen und die Auswirkungen auf die Beschäftigten, die Produktivität sowie die Lohnkosten.

Spanien ist mit einer Roboterdichte von 160 Einheiten (Stand 2018) ein hoch automatisiertes Land in Europa. Der europäische Durchschnitt liegt bei 99 Einheiten pro 10.000 Mitarbeitern.

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Der unterschiedliche Einsatz von Robotern hat weitreichende volkswirtschaftliche Auswirkungen.

„Die neuen Ergebnisse ergeben sich aus der Fokussierung auf die Mikroebene“, erklärt Marcel Smolka, Professor für internationale und institutionelle Ökonomik an der Europa-Universität Flensburg (EUF) und einer der drei Autoren der Studie. „Erstmalig können wir so die Determinanten und Effekte des Robotereinsatzes auf der Unternehmensebene erforschen.“

Die Studie

Unter dem Titel „Robots and firms“ hat Prof. Marcel Smolka (Europa-Universität Flensburg) gemeinsam mit Ilya Manuylov und Prof. Michael Koch (Universität Aarhus) den Robotereinsatz von rund 1900 spanischen Unternehmen über einen Zeitraum von 27 Jahren von 1990 bis 2016 analysiert. In einer jährlichen Umfrage haben die Forscher detaillierte Informationen über die Produktionsprozesse, Kosten, Preise, Beschäftigung, und mehr erfasst.
Unter Industrierobotern verstehen die Forscher Maschinen, die Aufgaben automatisch und ohne direkte oder ständige Interaktion mit Menschen erledigen. Sie können somit menschliche Arbeitskräfte in bestimmten Produktionstätigkeiten vollständig ersetzen.

Zur Studie

Unternehmen mit Robotern sind von Beginn an effizienter

Ein Ergebnis der Studie ist wenig verwunderlich: Unternehmen, die auf Roboter in ihrem Produktionsprozess setzen, waren schon vor dem Einsatz von Robotern gut aufgestellt. Sie waren in der Regel größer und effizienter als ihre Mitbewerber, hatten einen höheren Anteil niedrig qualifizierter Arbeitskräfte als ihre Wettbewerber und exportierten mit erhöhter Wahrscheinlichkeit Waren.

Der Einsatz von Roboter bringt diese Unternehmen dann sogar entscheidend voran: Mit erstmaliger Nutzung von Robotern weiten sie ihre Produktion um signifikante 20 bis 25 Prozent aus, erhöhen die Zahl der Beschäftigten um etwa 10 Prozent und senken bei unverändertem Durchschnittslohn ihren Lohnkostenanteil um fünf bis sieben Prozent.

Ohne Roboter drohen Produktionsverluste

Unternehmen, die keine Roboter einsetzen, erleben dagegen signifikante Arbeitsplatzverluste und müssen unter Umständen sogar die Produktion vollständig einstellen.

Während also Unternehmen mit Robotern davon profitieren und neue Arbeitsplätze schaffen, müssen viele Unternehmen ohne Roboter angesichts des verschärften Wettbewerbs mit Hochtechnologie-Unternehmen Produktions- und Beschäftigungsverluste hinnehmen. Die Beschäftigten wandern von den Unternehmen ohne Robotereinsatz zu den Unternehmen mit Roboter, resümieren die Forscher.

Marcel Smolka fasst zusammen: „Die Gesamtproduktivitätsgewinne sind teilweise auf eine erhebliche Umverteilung von Marktanteilen und Ressourcen innerhalb der Branche zurückzuführen. Damit einher geht eine Polarisierung zwischen Unternehmen, nämlich den hochproduktiven Unternehmen, die Roboter einsetzen, und den Geringproduktiven, die dies nicht tun.“

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Über den Autor

 Katharina Juschkat

Katharina Juschkat

Redakteurin, Vogel Communications Group